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Kolumne von Horst Schäbulskie: Der Duft der Verzweiflung

Der Duft der Verzweiflung

Einmal bitte die Nase zuhalten und festhalten, jetzt kommt Horst Schäbulskie!

 

Was ist denn nur los mit der Welt? Ich war letztens mal wieder unterwegs. Eine ganz persönliche Bildungsreise durch die Baumärkte, Burgerläden und Möbelhäuser und so weiter dieses Landes. Und wisst ihr, was mir da wieder mal so richtig auf den Sack gegangen ist? Der Duft. Aber nicht so ein wohliger Duft von frischem Sägemehl oder einem gebratenen Stück Fleisch. Nein, es ist der Duft der Verzweiflung. Der Duft von schlecht funktionierenden, vermeintlich umweltschützenden Hightech-Pissoirs.

 

Ich stehe also da, in einem dieser riesigen, schwedischen Möbelhäuser. Man ist eh schon am Rande des Nervenzusammenbruchs, weil man einen 17-Euro-Schrank durch die endlosen Gänge balanciert, der später eh nur als teurer Wäscheständer enden wird. Und dann, dann muss man mal. Man sucht die Tür mit dem kleinen Männchen-Symbol, atmet kurz durch und hofft, dass man danach wieder ein Mensch ist. Aber was findet man? Eine stinkende Höhle des Grauens. Es riecht schlimmer als auf einem Bahnhofsklo am Sonntagabend. Die Augen tränen, die Nackenhaare stellen sich auf und man fragt sich, ob die ihren Slogan nicht in „Wohnen mit Dünsten“ umbenennen sollten.

 

Und das alles, weil man uns erzählen will, dass diese wasserlosen Klos der neue heiße Scheiß sind. „Schützen die Umwelt! Sparen Wasser!“ – klar, und ich bin der Papst! Wenn die Umwelt so geschützt wird, dass ich danach mit einem Trauma den Laden verlasse, dann sollen sie den Planeten bitte doch einfach absaufen lassen. Mal ehrlich, was nützt mir ein gespartes Klospülwasser, wenn ich danach nie wieder in diesem Laden einkaufen will, geschweige denn dort eine Köttbullar-Platte essen möchte? Ich will doch mein Geld in einem Laden lassen, der mir nicht das Gefühl gibt, auf einem Biologie-Experiment zu sitzen.

 

Das ist doch der absolute Super-GAU in Sachen Marketing. Die haben sich doch gedacht: „Hey, wir wollen grün sein, lasst uns Toiletten hinstellen, die zwar stinken wie die Hölle, aber die sind nachhaltig!“ Der Marketing-Guru, der das durchgewunken hat, gehört meiner Meinung nach lebenslang zum Klo putzen verdonnert. Die Kunden kommen rein, wollen eine Lampe oder einen Burger kaufen, und werden stattdessen mit einem Geruchserlebnis konfrontiert, das selbst eine Kanalratte in die Flucht schlagen würde. So vertreibt man Kunden schneller als ein schlecht gelaunter Wachhund.

 

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Umweltschutz nur dann funktioniert, wenn er nicht auf Kosten von Gesundheit, Hygiene und meinem Wohlbefinden geht. Das ist doch ein falsches Spiel. Ich plädiere für ein Klo der alten Schule. Ein Klo, das spült. Ein Klo, das nicht stinkt. Ein Klo, das mich nicht in eine posttraumatische Belastungsstörung katapultiert. Und falls das mit dem Wassersparen wirklich so wichtig ist, dann lasst uns doch bitte die Baumärkte und Burgerläden erst mal mit einer Geruchsneutralisierungsanlage ausstatten. Sonst kaufe ich mir mein nächstes Regal einfach wieder bei der Konkurrenz. Und das ganz ohne Nasenklammer.

So long, viele Grüße

Ihr Horst Schäbulskie
Der Mann, der für Sie durch die Klos dieser Welt zieht.

 

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